Es schneit fast unaufhörlich – in den Schweizer Alpen wie in Bayern und Österreich. Und die Klimaskeptiker lachen sich ins Fäustchen: „Klimaerwärmung ist Schnee von gestern.“ Doch sie freuen sich zu früh. Denn mit grosser Wahrscheinlichkeit hat das derzeitige Schneechaos durchaus etwas mit der globalen Klimaerwärmung zu tun.

Dass es im Winter schneit, ist bekanntlich nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch, dass die sogenannte Stauwetterlage, die das Schneechaos verursacht, so lange anhält und beständig Nachschub liefert. Auch wenn man nicht von einem meteorologischen Einzelereignis auf einen generelle Klimatrend schliessen kann, und auch wenn bestimmte Wettersituationen immer von zahlreichen Faktoren abhängig sind, lässt sich Einiges doch sehr stichhaltig erklären: So kann wärmere Luft grundsätzlich mehr Wasser aufnehmen als kühlere – pro Grad Erwärmung rund sieben Prozent. Bei entsprechender Wetterlage können Niederschläge deswegen stärker ausfallen..

In der Frankfurter Rundschau verweist der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) darauf, dass die sogenannte Nordanströmung, die von Norden auf die Alpen trifft, über die Nordsee verläuft und diese relativ milde Temperaturen aufweist. 2018 war in Deutschland das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen; alle Monate seit April lagen über den Mittelwert. Das habe auch die Nordsee stärker aufgewärmt als üblich.

Staut sich diese feuchtere Luft an der Vorderseite der Alpen, führt das im Sommer zu Hochwasser, im Winter zu intensiven Schneefällen. Dass diese Wetterlagen (auch im Sommer) jeweils viel länger andauern als früher, könnte, so die Klimaforscher, damit zusammenhängen, dass der Jetstream schwächer geworden ist.

Hoffmann hält es laut der Frankfurter Rundschau für nicht unwahrscheinlich, dass extreme Wetterereignisse künftig häufiger auftreten.„Starkregen oder starker Niederschlag in Form von Schnee werden durch den Klimawandel eher begünstigt.“ Dennoch warnt er vor zu schnellen, einfachen Schlüssen. Es habe in den Alpen auch früher oft Winter mit sehr viel Schnee gegeben. Allerdings, so der Meteorologe Peter Hoppe von der Ludwig-Maximilians-Univesität München, seien die Temperaturen meist kälter, der Schnee also leichter gewesen. Das Schneechaos habe eben auch damit zu tun, dass bei den derzeit relativ milden Temperaturen der Schnee nasser und schwerer sei.

Längerfristig aber, da sind sich die Klimaforscher einig, wird es im Alpenraum weniger Schnee geben. – vor allem in den niedrigeren Lagen.Eine Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt hat gezeigt, dass sich die „Schneedeckendauer“ dort bereits von 1950 bis 1995 um bis zu 40 Prozent und in mittleren Lagen um zehn bis 20 Prozent verkürzt hat. Studien zu den Schweizer Alpen wiederum zeigen, dass die Schneefälle seit den 1980er Jahren beständig abgenommen haben – besonders in Höhen unter 1300 Metern.