Zwischen 2015 und 2017 haben UBS und Credit Suisse insgesamt 12,3 Milliarden US-Dollar Kredite an 47 Unternehmen bereitgestellt, die im Kohle- oder Erdölgeschäft tätig sind Das meldete vergangene Woche die Wochenzeitung WoZ und jetzt auch der Tages-Anzeiger. Beide Berichte beziehen sich auf eine Studie, die Greenpeace Ende Januar veröffentlicht hat.

Von den 12,3 Milliarden Dollar entfallen 7,8 Milliarden auf die Credit Suisse, 4,5 Milliarden auf die UBS. Die Kredite führten gemäss Berechnungen von Greenpeace über die drei Jahre zu CO2-Emissionen von insgesamt 182,9 Millionen Tonnen. (Im Vergleich: In der Schweiz wurden 2016 laut Bundesamt für Umwelt 48,3 Millionen Tonnen CO2 emittiert.) Weil die Studie nur die Finanzierung von Firmen berücksichtigt, die laut Greenpeace „besonders dreckige, sogenannt extreme fossile Brennstoffe nutzbar machen“, dürfte „der ökologische Fussabdruck der beiden Banken noch um einiges höher gewesen sein», schreibt Greenpeace.

Laut Tages-Anzeiger stellen die beiden Banken die Zahlen nicht in Abrede. Sie bemängeln aber die Rechenmethode, mit der von den Geldbeträgen auf die Emissionen geschlossen wurde. Die Details und eine ganze Reihe weiterer Zahlen über die Finanzierung einzelner Unternehmen wie Peabody Energy oder die amerikanischen Pipeline-Bauer und -Betreiber findet man im Artikel des Tages-Anzeigers.

„Aus dem Umfeld der Grossbanken“ hat der Tages-Anzeiger gehört,“ man sehe sich in der Pflicht, den Übergang zu einer klimafreundlicheren und ressourcenschonenden Wirtschaft mitzugestalten. Den Forderungen nach einem sofortigen Ausstieg aus allen öl- und kohlebezogenen Finanzierungen erteilen sie aber eine Absage. Das sei unrealistisch und mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden.

In ihrer Öffentlichkeitsarbeit klingt das alles ein wenig anders. Fast könnte man dort meinen, die beiden Grossbanken seien recht eigentliche Klimaretter. So heisst es in einem Faltblatt für die UBS-Kunden: „Wir unterstützen den Wandel zu einer klimagerechten Welt. Unsere Klimastrategie unterstreicht unser Engagement für die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zu bezahlbarer und sauberer Energie und zu Klimaschutzmassnahmen.“ Und in einem UBS-Magazin liest man, dass der UBS-CEO Sergio Ermotti der Alliance of CEO Climate Leaders angehöre.

Auch die Credit Suisse ist sich nach eigenem Bekunden ihrer Verantwortung bewusst. In einer „Erklärung zum Klimawandel“ etwa heisst es: „Wir anerkennen die Rolle, die uns bei der Mobilisierung der finanziellen Mittel zukommt, die für den Übergang der globalen Wirtschaft hin zu kohlenstoffarmen Aktivitäten benötigt werden.“

Europäische Banken wollen ihre Verantwortung auch praktisch wahrnehmen

In diesem Zusammenhang ist ein Artikel interessant, der im Dezember in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Er zeigt, dass die Klimakrise im Bankensystem der EU zunehmend ernster genommen wird. Nicht unbedingt deshalb, weil die EU- Banker plötzlich alle grün geworden wären, sondern weil der Klimawandel auf die Dauer das Geschäft der Banken bedroht. Bis Mitte Januar, so verlangt es die Bank of England, müssen Versicherungen und Banken im Vereinigten Königreich detailliert darlegen, wie sie mit den Risiken der Erderwärmung umgehen.“Es braucht ein klares Engagement und Verantwortung auf Vorstandsebene, um die finanziellen Risiken des Klimawandels zu managen“, heißt es im Schreiben der Währungshüter..

Parallel dazu unterzeichneten im vergangenen Oktober 18 Zentralbanken und Aufsichtsämter aus dem EU-Raum eine Erklärung, in der sie sich für Klimarisiken zuständig erklären. Die Europäische Zentralbank EZB ihrerseits teilte den Banken der Eurozone vor Kurzem mit, dass sie Klimarisiken als eine der entscheidenden Bedrohungen für das Bankensystem der Währungsunion ansehe.

In Zukunft, so die SZ, werden Banken und Versicherungen nicht mehr bloss prüfen, wie solvent ihre Kunden sind, sondern unter anderem auch, wie gut sie auf den Klimawandel vorbereitet sind, wenn Wetterextreme Handelswege, Immobilien und andere Vermögenswerte zerstören oder neue Gesetze gegen den Ausstoß von Treibhausgasen ihre Geschäftsmodelle bedrohen. Damit bekommen die Banken eine wichtige klimapolitische Lenkungswirkung: Sie entscheiden, wer zu welchen Konditionen Geld bekommt. (CR)