Roger Köppel und Christoph Mörgeli, die beiden Chefdemagogen der Weltwoche, lassen, man kann es bei aller Zurückhaltung nicht freundlicher sagen, wieder einmal die Sau los und prügeln auf alles ein, was ihnen grad in die Quere kommt. Auf die dummen und gekauften Klimawissenschafter und den Weltklimarat. Auf Greta Thunberg, die „kuriose Kinderheilige aus dem Norden“, der sie in waghalsiger Ferndiagnose eine Form von kindlichem Wahnsinn attestieren. Auf die ex-Bundesrätin Doris Leuthard, die in ihrer letzten klimapolitischen Rede vor dem Parlament längst nicht mehr im Namen des Bundesrates geredet habe, „sondern im Namen der Zukunft, im Namen der Menschheit (…) eine planetarische Schöpfungsmission“ erfüllte. Auf Thomas Stocker, den angesehenen Klimatologen in Bern und einer der Leitautoren mehrerer IPCC-Berichte, der sich als Prophet aufspiele, „der grossräumig den Untergang weissagt, aber auch den rettenden Schlüssel in der Hand hält, um die weltweite Apokalypse abzuwenden“. Und schliesslich auf die FDP-Parteipräsidentin Petras Gössi, „die ihrer Partei von oben eine ganz neue Klimapolitik diktiert.“ Zwei schweizerische Winkelriede wieder einmal allein gegen die böse Welt.

Ihr kleines Problem ist allerdings, dass sie den Klimawissenschaftern und Politikern zwar einen religiösen Furor unterstellen, der ihre „Hirne verdunkle“, dass sie den Klimawissenschaftern vorwerfen, bloss zu glauben statt wirklich zu wissen; sie selber aber wissen in ihrem Rundschlag noch nicht einmal genau, was sie den Klimawissenschaftern eigentlich vorwerfen, sie kritisieren und widerlegen keine konkreten Aussagen oder Befunde der Wissenschafter, sondern sie glauben, zweifeln, haben Bedenken oder verspüren ein Unbehagen. Aufgrund ihrer dünnen Argumente kann man mit aller Sicherheit ausschliessen, dass sie jemals einen Blick in einen der IPCC-Reports geworfen haben, wo es nicht um Glaubensbekenntnisse geht, sondern um nachprüfbare Messungen, geobiophysikalische Fakten und Zusammenhänge und sorgfältig dokumentierte Modellrechnungen. Ihre faule Ausrede: „Ich bin ich kein Klimaforscher, nicht einmal Naturwissenschaftler.“ Was übrig bleibt: Zwei Journalisten, die über etwas schreiben, wovon sie nach eigenem Bekunden keine Ahnung haben.

Prof. Dr. Klimaskeptiker

Als fast einzigen Kronzeugen für alle ihre Bedenken und Zweifel, für ihr Unbehagen, das sie im Einzelnen gar nicht konkret formulieren, präsentieren sie den „langjährigen Lehrstuhlinhaber für Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology, Prof. Richard Lindzen“. Etwas mager, wenn man bedenkt, dass im Gegensatz dazu jeder IPCC-Bericht auf der Auswertung von Tausenden wissenschaftlicher Studien basiert, die jeweils von mehreren Experten geprüft, diskutiert, gegeneinander abgewogen und schliesslich – wieder in einem mehrstufigen Verfahren – zusammengefasst werden. So funktioniert, im Gegensatz zur Weltwoche, Wissenschaft.

Lindzen, inzwischen ein 79 Jahre alter Mann, gehört zu den beliebten Zeugen der Klimaskeptiker, und das, obwohl es um seine wissenschaftliche Reputation zumindest in den letzten Jahren nicht zu Besten steht. So behauptete er zum Beispiel in einem Interview mit der Weltwoche vom 24. März 2014 auf die Frage nach der Erderwärmung in den letzten Jahrzehnten: „Ich sehe die nicht. Die Erwärmung passierte von 1976 bis 1986, dann ist sie abgeflacht.“ Lindzen gehört übrigens auch zu jenen Klima-Verschwörungstheoretikern, die allen Wissenschaftern, die eine Klimaerwärmung konstatieren, unterstellt, sie seien mit irgendwelchen Unternehmen verbandelt und hätten dubiose finanzielle Interessen. Dass er selber für eine Zeugenaussage vor Gericht vom amerikanischen Kohlekonzern Peabody Energy 30.000 Dollar erhielt und, von einem Gericht nach seinen Finanzierungsquellen befragt, zugeben musste, jährliche Zahlungen von 25.000 Dollar vom Cato Institut, einem Klimaleugner Think Tank, zu erhalten, lässt nicht nur an seiner Seriosität, sondern auch an seiner Wahrhaftigkeit zweifeln. Im Weltwoche -Interview vom 24. März 2014 sagte er auf die Frage, wer ihn denn finanziere: „Die Nasa. Sonst niemand.“ (CR)