Die Weltwoche diffamiert und beleidigt ihn als „Kindersoldat der Linken“ und liefert so den SVP-Stammtischen Stichwort und Tonart, um gegen die Klimastreik-Bewegung der Jugendlichen zu geifern, ohne selbst über den Klimawandel nachdenken zu müssen. Im Tages-Anzeiger zeigte der Wetziker Gymnasiast Jonas Kampus, einer der inzwischen Tausenden von Klimaaktivisten, wie kritisches Denken geht.

Auf die Frage, weshalb er ein Diskussionsangebot des Wetzikers SVP-Stadtrat Heinrich Villiger abgelehnt habe, meinte Kampus, dass es vermutlich wenig Sinn mache, mit jemandem über Klimamassnahmen zu debattieren, der den Klimawandel für eine Verschwörungstheorie halte. Wenn der SVP-Stadtrat diskutieren wolle, ob es den Klimawandel überhaupt gebe oder nicht, dann solle er sich besser an die ETH Zürich wenden. „Die werden ihm wohl sagen, dass er etwa 50 Jahre zu spät kommt mit dieser Frage.“ Und schliesslich, so Kampus : „Ich verstehe, dass Leute Angst vor dem Wandel haben, sie am liebsten weiter in der bestehenden Welt leben möchten. Wir versuchen den Leuten klarzumachen, dass der Wandel sowieso kommen wird und wir ihn deshalb besser positiv mitgestalten sollten, statt ihn nur zu erdulden.“

Souverän antwortet Kampus auch auf die Frage, wie es die Klimastreikenden denn mit dem Fliegen hielten. „Es dürfen auch Menschen auf ein Problem aufmerksam machen, die selber nicht perfekt sind.“ Und: „Solange das Fliegen viel billiger ist als das Zugreisen, ist es ja logisch, dass die Leute viel fliegen.“ Deshalb müssten vor allem institutionelle Lösungen gefunden werden.

Und souveräner, pragmatischer und „lösungsorientierter“ als viele gestandene Politiker, die ihre Abwehrschlacht gegen einen wirkungsvollen Klimaschutz mit Begriffen wie Freiheit und Eigenverantwortung legitimieren, reagiert Kampus schliesslich auch auf eine der heikelsten Fragen der Klimapolitik: „Ohne Verbote werden wir unsere Klimaziele nie erreichen.“ Eine Politik der Anreize klinge gut und wäre vielleicht auch sinnvoll, „wenn wir 200 Jahre Zeit hätten, um unsere Lebensgewohnheiten zu ändern. Aber wir müssen unsere CO2-Emissionen in zwölf Jahren auf netto null herunterbringen.“ (CR)