Wäre er nicht selber direkt und massiv betroffen, Reto Knutti, Klimawissenschafter an der ETH Zürich und einer der Leitautoren der IPCC-Reports des Weltklimarates, könnte sich herzlich freuen. Denn wer ihn und zahlreiche andere führende Klimaforscher mit fingierten Interviews, gefälschten Facebook-Profilen, mit Unterstellungen, Lügen und Drohungen bekämpfen muss, pfeift offensichtlich auf dem letzten Loch.

Angesichts der erdrückenden Tatsachen und Indizien, der zunehmenden Katastrophen, die ziemlich genau den Prognosen der Klimaforscher entsprechen, wird es ohnehin immer schwieriger, mit Glaubensbekenntnissen, missglückten Analogien und falschen Vergleichen dagegenzuhalten. Und seit die Klimaerwärmung immer mehr Menschen echte Sorgen macht, seit die bestens informierten, gut vernetzten und unnachgiebigen Aktivistinnen und Aktivisten der Klimabewegung vehement Druck auf die Parlamente und Parteien machen, leiden die Klimaskeptiker eh an galoppierender Schwindsucht.

In der NZZ am Sonntag „enttarnen“ die Journalistin Carole Koch und NZZaS-Redaktor Boas Ruh auf anderthalb Zeitungseiten jenen Teil des internationalen Netzwerk der Klimaleugner und Klimaskeptiker, der von den USA über die deutsche Drehscheibe Eike, das Europäische Institut für Klima und Energie, und den Klimaskeptiker-Guru Horst-Joachim Lüdecke bis in die Schweiz reicht. Zum neobiberalen Thinktank Carnot-Cournot des emeritierten Wirtschaftsprofessors Silvio Borner, zum 75jährigen Ökonomen und ehemaligen Avenir Suisse-Mitarbeiter Hans Rentsch, zum 80jährigen ehemaligen Bauingenieur Paul Bossert, zum deutschen Geologen Sebastian Lüning mit seinem Zwei-Mann-Institut für Hydrografie, Geoökologie und Klimawissenschaften am Ägerisee, zum 67jährigen Geologen Markus O. Häring, dem ehemaligen BaZ-Chefredaktor Markus Somm. Und zur Weltwoche. (Nicht alle diese Namen kommen im Artikel von Koch und Ruh vor, sind aber direkt mit erwähnten Instituten oder Zeitungen verbunden.)

Eine lohnende Lektüre. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: Autoren wie Silvio Borner (zusammen mit dem Ökonomen Reiner Eichenberger) oder Hans Rentsch sind zugleich gern gesehene Gastautoren in der gleichen Zeitung, die sie als Verschwörungstheoretiker entlarvt. (CR)