„Der Klimawandel läuft zunehmend schneller ab, die Folgen verschärfen sich“, sagte António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, „was wir bislang dagegen tun, kann damit nicht Schritt halten.“ Anlass für diese Mahnung ist der neueste Klimabericht der Weltmeteorologieorganisation WMO, der die aktuellen Daten zum Zustand des globalen Klimas und zu den sozioökonomischen Folgen des Klimawandels zusammenfasst. Der Bericht, so Guterres, „ist ein weiterer eindringlicher Weckruf. Die Daten, die darin zusammengetragen sind, geben Grund zu großer Sorge. Sie bestätigen, wie dringlich es ist, endlich zu handeln.“

Laut der Frankfurter Rundschau, die den Bericht zusammenfasst, enthält der Bericht folgende Kernaussagen:

Heisszeit: Die Erderwärmung bewegt sich auf Rekordniveau. Die letzten vier Jahre seit 2015 waren die vier wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. 2018 war global betrachtet das viertwärmste Jahr, für Europa das drittwärmste und für einige Regionen der USA und Australiens das zweitwärmste Jahr.

Treibhausgase: Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat ebenfalls eine neue Rekordhöhe erreicht. Für 2018 liegen zwar noch keine abschließenden Daten vor, doch zeichnet sich bereits ab, dass der Trend der vorangegangenen Jahre weitergeht. 2017 waren die Werte für CO2 auf 146 Prozent des vorindustriellen Levels gestiegen, für Methan auf 257 Prozent und für Lachgas auf 122 Prozent.

Emissionen: Der Ausstoß von Treibhausgasen steigt weiter, statt zu sinken. 2017 emittierte die Menschheit 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr, im Jahr 2018 waren es voraussichtlich weitere zwei Prozent mehr. Allein der Ausstoß des wichtigsten Klimagases CO2 dürfte im vergangenen Jahr bei einem neuen Rekordwert von rund 37 Milliarden Tonnen gelegen haben.

Versauerung der Ozeane: Im letzten Jahrzehnt haben die Ozeane rund 30 Prozent des anthropogenen CO2 aufgenommen. Dieses reagiert mit dem Meerwasser und verändert dessen pH-Wert. Die Meere versauern, der pH-Wert sinkt zunehmend.

Meeresspiegelanstieg: Auch hier ist ein neuer Rekordwert erreicht. 2018 lagen die globalen Durchschnittswerte („global mean sea level“) um 3,7 Millimeter über den Werten von 2017. Ein so starker Anstieg des Meeresspiegels wurde noch nie gemessen. Der Mittelwert der letzten 25 Jahre lag bei 3,15 Millimetern pro Jahr. Die Pegel steigen also nicht nur, der Anstieg verläuft auch immer schneller – derzeit liegt der Anstieg laut WMO jedes Jahr um 0,1 Millimeter über dem Anstieg des Vorjahres.

Eisverlust in der Arktis: Die Ausdehnung des arktischen Meereises lag im gesamten Jahr 2018 unter dem langjährigen Durchschnitt. In den ersten beiden Monaten erreichte sie sogar Rekordtiefstände. Die Maximalausdehnung, die im März erreicht wird, lag bei 14,5 Millionen Quadratkilometern und damit rund sieben Prozent unter dem Durchschnitt des 30-Jahres-Zeitraums von 1981 bis 2010. Das Eis kann also im Winter kaum noch Masse aufbauen und sich erholen.

Eisverlust in der Antarktis: Auch im Südlichen Ozean lag die Ausdehnung des Meereises im gesamten Jahr 2018 unter dem Durchschnitt. Das jahreszeitliche Minimum, das dort im Februar erreicht wird, lag bei 2,3 Millionen Quadratkilometern und war damit um ein Drittel geringer als sonst. Die maximale Ausdehnung im September lag bei rund 17,8 Millionen Quadratkilometern, vier Prozent unter dem 30-jährigen Durchschnitt. Das ist der zweitkleinste Wert seit Beginn der Messungen.

Extremwetter: Die Folgen des Klimawandels sind bereits an vielen Orten spürbar – in Form von zunehmenden Wetterextremen. Rund 62 Millionen Menschen waren von Extremereignissen betroffen, vor allem von Überschwemmungen (35 Millionen Betroffene) und von Dürren. Der Zyklon „Idai“, der Mitte März Mosambik traf und große Teile des Landes verwüstete, deutet laut WMO darauf hin, dass sich dieser Trend auch 2019 fortsetzen wird.

Für viele Millionen ist es bereits fünf nach zwölf

Ausführlich geht der Bericht auch auf die soziale Folgen des Klimawandels ein. Er zeigt, dass die Klimawandel eben nicht bloss ein Ereignis ist, dass die Menschen vielleicht in dreissig, fünfzig oder hundert Jahren betrifft, sondern viele Millionen bereits heute unter seinen Folgen leiden. So sind vor allem die Extremereignisse eine akute Gefahr für Ernährungssicherheit und menschliche Gesundheit. Das gilt auch dann, wenn man Kriege, wirtschaftliche und andere soziale Faktoren mitberücksichtigt. Vor allem in afrikanischen Ländern waren 2017 rund 60 Millionen Menschen von Hunger und Unterernährung betroffen. Zudem ist die Zahl der Menschen, die jährlich extremen Hitzewellen ausgesetzt sind, seit Beginn des Jahrhunderts um 125 Millionen gestiegen. Und: Mehr als zwei Millionen Menschen haben explizit durch Klimakatastrophen ihr Zuhause verloren.

Im Hinblick auf den Klima-Sondergipfel, zu dem er die Staats- und Regierungschefs auf den September nach New York eingeladen hat appellierte er an diese: „Kommen Sie nicht mit einer Rede, kommen Sie mit einem Plan!“ (CR)