Sowohl die NZZ wie die Tamedia-Zeitungen berichten von zwei Studien, welche den Gletscherschwund in den vergangen rund 50 Jahren dokumentieren.

Der Befund ist verheerend: Seit 1961 verloren die Gletscher – ohne die Eisschilde von Grönland und in der Antarktis – weltweit rund 9000 Milliarden Tonnen Eis. Das entspricht, so zitiert der Tages-Anzeiger Michael Zemp, den Glaziologen an der Universität Zürich, „einem Eisblock von der Fläche der Schweiz mit einer Dicke von 250 Metern.“ Laut den Forschern wird die Hälfte des Eisvolumens, das 2017 noch vorhanden war, bis 2050 verschwunden sein.

Der Rückgang, so der Befund, hat sich im Laufe der Zeit beschleunigt. In den letzten Jahren ging global pro Jahr rund dreimal so viel Eis verloren, wie alle Gletscher in den Alpen enthalten. Weltweit sind die Gletscher, so die wissenschaftliche Fachzeitschrift «Nature» berichten, zwischen 2003 und 2009 um 18 Prozent stärker zurückgegangen, als dies noch im Bericht des Uno-Klimarats von 2013 geschätzt wurde.

Vor allem nach der Jahrhundertmitte wird es für den weiteren Gletscherschwund sehr entscheidend sein, wie stark die Temperaturen weiter ansteigen resp. wie stark die Klimaschutzmassnahmen greifen. ETH-Wissenschafter um Harry Zekollari haben in einer Studie dazu unterschiedliche Szenerien durchgerechnet. Im günstigsten Fall werden bis 2100 „nur“ 52 Prozent des derzeitigen Eisvolumens verschwunden sein, im schlimmsten Fall aber 98 Prozent. Ein mittleres Szenario mit mässig ambitioniertem Klimaschutz, das aber immer noch über der Zwei-Grad-Grenze liegt, werden bis Ende des Jahrhunderts zwischen 12 und 30 Prozent des Eisvolumens übrig bleiben.

Auch der Meeresspiegel steigt immer weiter an

Auch über den Anstieg des Meeresspiegels geben die Daten einiges her. Die Wissenschaftler schätzen, dass der Meeresspiegel seit 1961 um rund 27 Millimeter angestiegen ist. Der grösste Anteil stammt dabei von den Gletschern in Alaska, der Einfluss der Gletscherschmelze in den Alpen sei dagegen sehr klein. Insgesamt ist der Meeresspiegel, so der Tages-Anzeiger, in den letzten hundert Jahren um rund 20 Zentimeter gestiegen. Rund 70 Prozent davon wurden durch das Abschmelzen der Gletscher und der beiden Eisschilde in Grönland und der Antarktis verursacht. Der Rest kam zustande, weil sich das Meerwasser erwärmt und somit auch ausdehnt.

Derzeit beträgt der durchschnittliche Eisverlust der Gletscher rund 300 Milliarden Tonnen pro Jahr und verursacht einen Meeresspiegelanstieg von jährlich rund einem Millimeter. Forscher des deutschen Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sind aber der Ansicht, dass die langfristigen Folgen der Erderwärmung den zukünftigen Meeresspiegelanstieg gleichsam „vorprogrammieren“. Die Folgen der bisherigen globalen Erderwärmung – durchschnittlich etwa ein Grad in den letzten hundert Jahren – würden dadurch erst in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten spürbar. Die Modelle der PIK-Forscher rechnen damit, dass der globale Meeresspiegel bis 2300 zwischen 0,7 und 1,2 Meter ansteigen wird, selbst dann, wenn das Pariser Klimaabkommen vollständig umgesetzt wird. (CR)

Wie die Zürcher Wissenschafter zu ihren Daten gekommen sind, schildert vor allem der Artikel von Martin Läubli im Tages-.Anzeiger.