Vor einigen Tagen hat die deutsche „Fridays for Future“-Bewegung in Berlin erstmals einen Katalog mit konkreten Forderungen für mehr Klimaschutz veröffentlicht. Die Forderungen unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von den Forderungen der Schweizer Klimastreik-Bewegung, unter anderem auch deshalb, weil die klimapolitische Situation in Deutschland sich kaum mit derjenigen in der Schweiz vergleichen lässt.

So fordern die deutschen Klimastreiker im Unterschied zur Klimastreik-Bewegung in der Schweiz die Reduktion der CO2-Emissionen auf Netto-Null erst auf das Jahr 2035. Entscheidender für Deutschland sind zwei andere wichtige Termine: Bereits bis Ende dieses Jahres soll ein Vierteil aller deutschen Kohlekraftwerke vom Netz gehen und die Subventionierung fossiler Energieträger beendet werden, bis 2030 (statt bis 2038, wie es die Kohlekomission vorschlägt) soll Deutschland vollständig aus der Kohleverstromung aussteigen. Überdies verlangt das deutsche „Fridays for future“-Bündnis eine CO2-Steuer ungefähr nach dem Modell der Schweizer CO2-Lenkungsabgabe.

9 Milliarden Franken kosten uns die Klimaschäden jedes Jahr

Besonders interessant – auch für die Schweiz – ist in diesem Zusammenhang aber vor allem eine Zahl, welche Sebastian Grieme, einer der Sprecher der Bewegung, ins Feld führt: 180 Euro für eine emittierte Tonne CO2. So viel kosten die Schäden, so Grieme, “ die der heutigen und zukünftigen Generationen entstehen. (…) Eine so hohe Steuer würde klimaschädliches Handeln schnellstens beenden, sagte Grieme laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Brisant ist diese Zahl vor allem deshalb, weil sie nicht eine leichtfertig über den Daumen gepeilte Schätzung ist, sondern auf fundierten Berechnungen des deutschen Bundesumweltamtes basiert. Umgerechnet auf den Ausstoß Deutschlands 2016 entspreche dies Gesamtkosten von rund 164 Milliarden Euro, hatte das Bundesumweltamt Ende vergangenen Jahres mitgeteilt. Für die Schweiz ergäben sich gemäss dieser Rechnung Kosten von rund 9 Milliarden Franken.

Wie ihre Schweizer Kolleginnen und Kollegen verwehren sich die deutschen „Friday for future“-Streikenden gegen die ohnehin bloss hämisch gemeinten Aufforderungen, doch bitteschön zu sagen, wie sie das politisch bewerkstelligen wollen. Das sei, antworten sie zu Recht, nicht ihre Aufgabe: „Den geeignetsten Weg zu finden, ist die Aufgabe der Politik in enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, und nicht die der jungen Generation“, heißt es in dem Forderungskatalog. Und: „Die Erwachsenen haben das grösste Problem unserer und kommender Generationen verursacht und machen nun keine Anstalten, dieses Problem zu lösen.“ Nur zu verständlich, dass Grieme laut der Frankfurter Rundschau auch meint: „Nur Dialog reicht uns nicht.“ In der Tat: Geredet worden ist seit dreissig Jahren ziemlich viel … (CR)