Vor vierzehn Tagen, in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, hatte ein Herr Hänggi aus Zürich einen Plan. Jetzt, vierzehn Tage später, will ein Herr Hänggi aus Zürich im deutschen Wochenmagazin „Der Spiegel“ die Welt retten.

In der „Zeit“ erfuhr man, dass Herr Hänggi Journalist und Buchautor war und mit einer Gruppe von engagierten Schweizer Bürgerinnen und Bürgern die Gletscher-Initiative lanciert hat. Dass er in einer Zürcher Altstadtwohnung lebt, zwei Kinder hat, ab und zu in einem Topf Hackfleisch rührt und Nudeln kocht, dass er Gedichte von Rainer Maria Rilke mag und seit Jahren nicht mehr geflogen ist. Im „Spiegel“ erfährt man, dass Herr Hänggi Journalist und Buchautor war und mit einer Gruppe von engagierten Schweizer Bürgerinnen und Bürgern die sogenannte Gletscher-Initiative lanciert hat. Man erfährt, dass er ab und zu im lauschigen Garten des Kafi Paradiesli vis-à-vis seiner Wohnung schlechte Journalisten empfängt, dass er dabei ein T-Shirt und kurze Hosen trägt, einen grau melierten Bart und freundliche, braune Augen hat. Dass er ein unauffälliger Mann ist, nicht wie ein Hysteriker oder eifriger Missionar wirkt und nie in ein Auto oder ein Flugzeug steigt. Darüber hinaus erfährt man in der Zeit wie im Spiegel zugegeben auch einiges über die Gletscher-Initiative, wobei auch da die beiden Texte sich wie Zwillinge gleichen.

Dass ein Journalist bei einem anderen abschreibt oder zumindest Struktur, Inhalt und viele Ideen klaut und daraus einen scheinbar eigenen Text zusammenbastelt, kommt vor. Dass dies dem Weltblatt Spiegel passiert, das sich jahrzehntelang damit brüstete, dass die Texte jeweils über mehrere Pulte gehen, bevor sie im Blatt erscheinen, ist ein wenig erstaunlich. Und noch etwas: Natürlich kann Marcel Hänggi nichts für schlechten Journalismus beim Spiegel. Er hat vermutlich sein Bestes gegeben. Und vermutlich hat er, falls er den Satz „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ wirklich gesagt hat, dem Journalisten auch mitgeteilt, dass dies das berühmteste Zitat von Theodor W. Adorno ist. Aber das nur nebenbei.

Immerhin, so finden wir, müsste die Spiegel-Redaktion das Honorar für diesen Text nicht dem unfähigen Abschreiber-Journalisten zukommen lassen, sondern der Gletscher-Initiative. Das Spenden-Konto lautet: Verein Klimaschutz Schweiz, 8003 Zürich / IBAN: CH37 0900 0000 1520 1778 3 (Postfinance) / Postkonto: 15-201778-3

Im übrigen weisen wir gern darauf hin, dass man Mitglied des Vereins Klimaschutz Schweiz werden kann. Und: Unterschreiben kann man die Gletscher-Initiative  hier. (CR)