Was die Jungen Grünen ultimativ vom Nationalrat fordern, nämlich ein Importverbot für Neuwagen, welche die vorgeschriebenen Grenzwerte nicht einhalten, ist ein sanftes Säuseln gegenüber dem, was das renommierte Zürcher Beratungsbüro Ernst Basler und  Partner in seiner kürzlich veröffentlichten Studie „Szenarien der Elektromobilität in der Schweiz“ berechnet hat, wenn die Pariser Klimaziele erreicht werden sollen.

„Mit den heutigen Massnahmen», «, heisst es in der Studie,“ sind wir weit davon entfernt, im Verkehrssektor die Paris-Ziele zu erreichen“, Und: „Soll der Verkehr bis 2050 die Pariser Klimaziele erreichen, muss dieser Grenzwert (von derzeit 95 Gramm CO2 pro Kilometer) noch einmal drastisch sinken. Ab dem Jahr 2025 (!) dürfte er nur noch 15 Gramm CO2 pro Kilometer betragen. Ab 2030 wären es dann noch 10 Gramm – und ab 2050 dürften Neuwagen kein CO2 mehr ausstossen.“

Damit geht die Studie weit über das hinaus, was die Jungen Grünen fordern und bürgerliche Politiker schon im Vorfeld der kommenden Debatte um das CO2-Gesetz auf die Palme brachte. Denn: Ab 2025 dürften, das zeigt die Studie, in der Schweiz praktisch fast keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden. Weil Verbrennungsmotoren kaum auf Emissionswerte unter zwanzig, dreissig Gramm pro Kilometer kommen können, käme der Effekt praktisch einem Verkaufsverbot für neue Benziner und Dieselautos gleich.

Technisch, das zeigt die Studie, ist ein solcher radikaler Absenkungspfad aber trotzdem machbar. Die dafür notwendigen Antriebssysteme (Elektro oder Wasserstoff),, sind vorhanden, zitiert die NZZ am Sonntag vom 1. März den Leiter der Studie Peter de Haan. Auch wenn sie derzeit noch wesentlich teurer sind als Benzin- und Dieselfahrzeuge. Es liegt also letztlich am politischen Willen und am Mut der Politikerinnen und Politiker, sich nicht vor den Stimmbürgern wegzuducken, sondern ihnen die Fakten und Notwendigkeiten zu erklären und ihnen das entsprechende Verständnis zuzutrauen.

Mit dem CO2-Gesetz lassen sich die Pariser Klimaziele nicht erreichen

Neben diesem Szenario „Paris“ haben die Studienautoren noch zwei weitere Szenarien durchgerechnet. Das Szenario „Business as usual“ extrapoliert in etwa die Entwicklung, die eintreten würde, wenn das CO2-Gesetz in einer Volksabstimmung durchfallen würde und auch sonst keine weitergehenden Massnahmen (etwa Förderprogramme für Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur) ergriffen würden. Die Verkehrsemissionen würden dann bis 2050 nur wenig sinken. „Die Schweiz würde“, so die NZZaS, „zu einer Bastion des fossil betriebenen Verkehrs im Herzen Europas.

Das Szenario «Efficiency», das ungefähr dem derzeitigen Entwurf des CO2-Gesetzes entspricht, hätte zwar eine stärkere Absenkung der Emissionen aus dem Verkehr zur Folge, das Pariser Klimaziel ist aber auch so nicht zu erreichen. Bis 2030 würden die CO2-Emissionen nur um knapp 38% tiefer liegen als heute, selbst wenn die Kantone zusätzlich den Kauf von effizienten Neuwagen belohnen und Förderprogramme lancieren für Ladeinfrastruktur zu Hause und am Arbeitsplatz.

„Das kriegen wir hin“

Die Studie widerlegt auch ein anderes Argument, mit dem die Gegner einer radikalen Wende Stimmung machen: Wenn die Schweiz bis 2050 den gesamten Strassenverkehr – inklusive LKW, Busse und Lieferwagen – elektrifizieren will, dann benötigt sie dafür 16 bis 18% mehr Strom als heute. Peter de Haan unmissverständlich: „Das kriegen wir hin.“ Soviel Mut zur Offenlegung der unangenehmen Fakten und so viel optimistischen Willen zu handeln würde man sich von den Nationalrätinnen und Nationalräten, die in der übernächsten Woche über das CO2-Gesetz debattieren, wünschen. (CR)