Die Umweltministerin Simonetta Sommaruga zeigt sich gern auch mal an einer Klimademo und hat natürlich sehr viel Verständnis für die Anliegen der Klimajugend. Jetzt hat die Schweizer Klimabewegung „Climatestrike“ einen Aktionsplan vorgelegt und „Bundesbern“, neben der Umweltministerin auch die SP und die Grünen, müssen Farbe bekennen, ob die Liebe zur Klimajugend auch über schöne, grosse Worte hinausreicht. Unverständlich bleibt freilich, warum die Klimajugendlichen ihre Forderungen selber im Voraus völlig entwerten, indem sie sich schon jetzt festlegen, dem CO2-Gesetz auf jeden Fall zuzustimmen, selbst wenn keine einzige ihrer Forderungen angenommen wird.

An der Klimademonstration vom 28. September 2019 in Bern strahlte die Umweltministerin Simonetta Sommaruga um die Wette mit Klimajugendlichen (Bild: Twitter)

Wollte man das Fazit des Klimaaktionsplanes vorwegnehmen, müsste man es unter das Motto stellen: „Alle reden vom Geld, wir reden vom Klima!“ Natürlich: Derzeit reden alle vor allem vom Virus respektive von den Schäden für die Wirtschaft, also vom Geld. Aber selbst, die wenigen, die wie Patrick Hofstetter, dem Klimabeauftragten des WWF, in einem Wefinar vom Klima reden, reden letztlich dann doch wieder in erster Linie übers Geld und versuchen – insgeheim natürlich wider besseres Wissen – zu belegen, dass das Pariser Klimaziel eigentlich ein wunderbares grosses Business ermögliche, wenn man nur von allem absehe, was nicht zum Big Business beitrage. Kurz: Auch Hofstetter redet letztlich bloss vom Geld und gibt keine Antwort auf die wohl dringendste Frage, nämlich warum die grünen und roten Politikerinnen und Politiker im Juni ein Gesetz befürworten wollen, das seinen einzigen Zweck, nämlich die Pariser Klimaziele zu erreichen, gar nicht erfüllt.

Ganz anders, so schien es zumindest, die Klimajugendlichen von „climatestrike.ch“. Sie präsentieren nach fünfmonatiger harter Arbeit und Diskussion einen „Klimaaktionsplan“, einen Katalog von 17 Massnahmen, die, so fordern die Jugendlichen, in der kommenden Juni-Session von den Räten diskutiert werden sollen. „Monatelang wurde uns von Seiten der Politik vorgeworfen, dass wir keine konkreten Lösungen aufzeigen“, schreiben die Jugendlichen in ihrer Pressemitteilung, „mit dem Krisenaktionsplan machen wir genau das und entsprechend erwarten wir von Seiten des Parlamentes, dass diese Massnahmen in den Sommersessionen diskutiert und umgesetzt werden.“

Jetzt müssen auch die SP und die Grünen Farbe bekennen

Man mag da und dort etwas an den vorgeschlagenen Massnahmen auszusetzen haben, man kann einige Vorschläge als naiv, andere als utopisch abtun – und natürlich werden das die Gössis und Nosers, die Köppels und Imarks, die Chefredaktoren und Chef-Meinungsmacher der NZZ und der Tamedia-Blätter auch tun, aber eines kann man den Klimajugendlichen nicht absprechen: ihr Engagement. Sie haben, ganz im Gegensatz zu einigen Meinungsmachern in den Medien, die ohne allzuviel eigenes Klimawissen über die böse Klimajugend herziehen und eigentlich nur die letzten Zuckungen des Neoliberalismus etwas verlängern wollen, – kurz: die Klimastreikerinnen und streiker haben zusammen mit Wissenschaftern nachgedacht, was zu tun ist, damit auch sie in dreissig, vierzig, fünfzig Jahren in einer Welt leben können, in der nicht bloss ein paar hundert Millionen auf Kosten der restlichen acht, neun Milliarden gut leben können, ohne jeden Morgen vor dem Spiegel vor Scham rot zu werden.

Man wird sehen – und hoffentlich auch sehr genau zur Kenntnis nehmen -, wer die Forderungen der Klimastreikerinnen und -streiker wirklich ernst nimmt, und in den parlamentarischen Debatten nicht bloss ein paar ölige Alibisätze zum Besten gibt, sondern diese Stimme der Jugend, die einst ausbaden muss, was wir heute versäumen, aufgreift und vertritt. Ob die Klimajugend sich ernst genommen fühlt, wenn die Politikerinnen und Politiker, die das Heft in der Hand haben, ein untaugliches CO2-Gesetz einfach durchwinken, das wird sich in einen wenigen Wochen in Bern entscheiden. Mit dem voreiligen Entscheid, dem CO2-Gesetz so oder so zuzustimmen, hat sich die Klimabewegung allerdings selber zum belanglosen Schosshündchen gemacht, dass vielleicht ein bisschen bellt, ganz gewiss nicht und niemals beisst. Ob das den Zehntausenden von Sympathisantinnen und Sympathisanten passt, die für eine wirksame Klimapolitik auf die Strasse gingen und den Megaphonträgern vertrauten, passt

Lesen Sie demnächst auf dieser Seite, was der Krisenaktionsplan im Detail beinhaltet. Eine gute vorläufige sehr gute Analyse, die der WoZ-Redaktor Daniel Stern allerdings bereits vor der Veröffentlichung, aber aufgrund von Geprächen mit den Klimajugendlichen geschrieben hat, finden sie hier. (CR)