Die Schweiz wird die Emissionsziele, die sie sich mit dem CO2-Gesetz selber gegeben hat, deutlich verfehlen. Schuld daran sind vor allem der Verkehr und die Heizungen.

Abbildung: BAFU
 Entwicklung der totalen Treibhausgasemissionen der Schweiz gemäss CO2-Gesetz und Kyoto-Protokoll (orange Säulen). Die blaue Säule zeigt den Zielwert, welcher gemäss dem revidierten CO2-Gesetz im Jahr 2020 erreicht werden muss (minus 20 Prozent)

Worum geht es genau? Im Rahmen des Kyoto-Protokolls hat sich die Schweiz international verpflichtet, ihre mittleren jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2020 um 15.8 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Umsetzung dieser Verpflichtung ist im CO2-Gesetz vom 1. Januar 2013 geregelt. Dieses legt fest, dass die mittleren Treibhausgasemissionen im Jahr 2020 unter Berücksichtigung der Treibhausgasbilanz der Wälder um 20 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden sollen. Im Gegensatz zur derzeit diskutierten Revision des CO2-Gesetzes müssen die Reduktionsziele gemäss dem derzeitigen Gesetz alle im Inland erreicht werden.

Drei Jahre vor dem entscheidenden Datum liegen die Emissionen insgesamt erst rund 12 Prozent tiefer als 1990. Zwar ist der Ausstoss von Treibhausgasen im Vergleich mit dem Vorjahr leicht gesunken, aber zu wenig, als dass das Ziel noch erreicht werden kann. Das geht aus der Medienmitteilung des Bundesamtes für Umwelt (BFU) zu Treibhausgasemissionen hervor, das soeben veröffentlicht worden ist. (Weitere , allerdings nicht sehr einfach zu entziffernde Informationen findet man unter anderem hier. Und wer es ganz genau wissen und einige Tage Ferien dafür opfern will, der liest das rund 100seitige Kapitel 3. Energy des Switzerland’s Informative Inventory Report 2019 IIR, die offizielle Dokumentation der Schweiz zuhanden des IPCC.

Insgesamt beliefen Treibhausgasemissionen beliefen im Jahr 2017 in der Schweiz auf 47,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente; das sind 1 Million Tonnen weniger als 2016. Diese Reduktion ist vor allem auf den verminderten Brennstoffverbrauch im Gebäude- und Industriesektor zurückzuführen, wie das BAFU schreibt.

Unterteilt auf die verschieden Sektoren, ergibt sich folgendes Bild: Im Gebäudesektors betrugen die Emissionen im Jahr 2017 12,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (CO2-eq). Sie lagen damit um 26 Prozent unter dem Wert von 1990. Oder anders: etwa auf dem gleichen Niveau wie 2015. Allerdings ist die Abnahme von 0,6 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr nur zur Hälfte auf die verbesserte Energieeffizienz von Gebäuden und den Ersatz von Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen und erneuerbare Energien zurückzuführen. Die andere Hälfte des Rückgangs ist dem milden Winter geschuldet. Mit anderen Worten: Bei deutlich kälteren Wintern können diese Emissionen durchaus auch wieder ansteigen. Wird der Effekt des warmen Winters herausgerechnet, ergibt sich für den Gebäudesektor eine Abnahme von bloss rund 0,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Dieser Trend, so das BAFU, ist allerdings zu gering, um das Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2020 zu erreichen.

Verkehrsemissionen nehmen zu statt ab

Richtiggehend verheerend schneidet der Verkehrssektor ab: Obwohl das CO2-Gesetz den Verkehr explizit schont und lediglich eine Reduktion von 10 Prozent gegenüber 1990 festsetzt, legt der Verkehr gegenüber 1990 gar noch zu, nämlich um ein Prozent. 2017 betrug der Ausstoss des Verkehrssektors 15 Millionen Tonnen CO2-eq. Gegenüber dem Vorjahr haben die Emissionen zwar um rund 2 Prozent abgenommen. Das BFU aber hat berechnet, dass die Abnahme rund zur Hälfte auf der vermehrten Verwendung von Biottreibstoffen beruht; die andere Hälfte ist dem Rückgang des Tanktourismus zu verdanken. So nehmen die Emissionen im Verkehrsbereich ingesamt zwar seit 2008 stetig ab. Aber diese Einsparungen werden zum grössten Teil wieder ausgeglichen durch die Zunahme der zurückgelegten Kilometer wieder ausgeglichen. Nach heutiger Einschätzung, so das BAFU, wird der Verkehrssektor das Ziel von minus 10 Prozent bis 2020 klar verfehlen.

Deutlich besser steht der Industriesektor da. Er emittierte 2017 immerhin 10,7 Millionen Tonnen CO2-eq aus; das sind 18 Prozent weniger als 1990. Da das CO2-Gesetz für diesen Sektur eine Reduktion von 15 Prozent vorsieht, ist das Reduktionszig bereits erreicht. Gegenüber dem Vorjahr aber gingen die Emissionen nur geringfügig um 0,2 Millionen Tonnen zurück, wobei auch hier die die Hälfte des Rückgangs auf die verminderte fossile Fernwärmeproduktion wegen des warmen Winters zurückzuführen ist. Das BAFU kommt für den Industriesektor zum Schluss: „Die Emissionen im Industriesektor stagnieren allerdings in den letzten Jahren. Für eine weitere Abnahme bis 2020 ‒ und darüber hinaus ‒ bedarf es weiterer Massnahmen.

Die Emissionen der Landwirtschaft liegen seit 2000 weitgehend unverändert bei etwa 6,5 Millionen Tonnen CO2-eq und damit rund 10 Prozent tiefer als 1990. Der Ausstoss synthetischer Treibhausgase, wie zum Beispiel Kältemittel, ist seit 1990 massiv gestiegen, blieb aber gegenüber 2016 stabil bei rund 1,7 Millionen Tonnen. Seit dem 1. Januar 2019 regelt das Montrealer Protokoll 18 wichtige synthetische Treibhausgase. Mit der Umsetzung des Protokolls auch durch die Schweiz, wird in den nächsten Jahren ein deutlicher Rückgang der Emissionen dieser Gase erwartet. Die vorgesehene Emissionsreduktion in diesem Bereich von rund 10 Prozent bis 2020 dürfte dennoch knapp verfehlt werden. (CR)