Die riesigen Steppengebiete in Kenia ernähren kaum die wenigen verstreuten Familien, die dort weit unter dem Existenzminimum leben (Bild Rentsch)

Am kommenden Donnerstag (8. August) wird in Genf der neueste Sonderbericht des Weltklimarates IPCC „Klimawandel und Landsysteme“ veröffentlicht. Dabei geht es um Probleme der Desertifikation (Wüstenbildung) , Landdegradation, des nachhaltigen Landmanagements, der Ernährungssicherheit und der „Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen“.

Derzeit wird der Bericht respektive die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger („Summary for Policymakers“, SPM) an der 50. Plenarsitzung des IPCC von den Delegationen der 195 Mitgliedsstaaten Zeile für Zeile bereinigt, da alle Mitgliedsländer letztlich einstimmig dem Bericht zustimmen müssen. Obwohl diese Zusammenfassung derzeit noch nicht definitiv bereinigt ist, sind Einzelheiten des Entwurfs bereits durchgesickert.

Laut diesem Entwurf, welcher der Süddeutschen Zeitung und der Stuttgarter Zeitung vorliegen, haben sich die Landflächen der Erde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts um rund 1,5 Grad Celsius erwärmt, also mehr als der globale Durchschnitt von etwa einem Grad. Grund dafür ist, dass die Meere, die rund 90 Prozent der Erwärmung absorbieren, sich langsamer aufheizen als Landflächen. So sind Hitzewellen in den meisten Regionen häufiger und heisser geworden. Auch Starkregenfälle scheinen weltweit betrachtet öfter und heftiger vorzukommen.

Hauptprobleme sind Waldrodungen und die Degradation von Ackerflächen

Während in der breiten Öffentlichkeit vor allem über die Treibhausgasemissionen des Strassen- und Luftverkehrs, über den Gletscherschwund und Extremwetterereignisse diskutiert wird, zeigt der Bericht, dass auch die Landnutzung wesentlich für den Klimawandel verantwortlich ist. So stammen derzeit 22 Prozent der menschlichen Treibhausgasemissionen aus der Landnutzung, vor allem von Waldrodungen und – in Form von Methan und Stickoxiden – aus der Landwirtschaft.

Dabei beeinflussen und verstärken sich viele Folgen des Klimawandel und Änderungen der Landnutzung gegenseitig. Rund ein Viertel der eisfreien Landfläche ist von Bodendegradation, also einer Verschlechterung der Böden betroffen; eine halbe Milliarde Menschen lebt in Regionen, in denen die Wüstenbildung voranschreitet. Beides ist, so die IPCC-Autoren, vor allem eine Folge nicht-nachhaltiger Nutzung. Allein durch konventionelles Pflügen geht laut dem Bericht hundert- bis tausendmal mehr Boden verloren, als neu gebildet wird. Zugleich beschleunigt der Klimawandel mit häufigeren Dürren und heftigen Regenfällen wiederum die Erosion der Böden und die Wüstenbildung.

Zwar ist die Erde insgesamt in den vergangenen Jahrzehnten laut dem Entwurf etwas grüner geworden, weil CO₂ wie ein Dünger auf den Fotosynthese-Prozess wirkt und weil sich die Vegetationsperioden in den gemäßigten Breiten verlängert haben. Allerdings gibt es dabei massive regionale Unterschiede, da sich die Klimazonen nach Norden oder in höhere Regionen verschieben, während in den Tropen künftig ein neues Heissklima entsteht. So seien die Erträge etwa von Mais, Baumwolle und Weizen in den nördlichen Klimazonen gestiegen, während sie rund um den Äquator zurückgegangen sind.

Wie dramatisch sich diese ökologischen Veränderungen auswirken, hängt natürlich zentral auch von den sozialen und ökonomischen Entwicklungen ab. Im optimistischsten Szenario, so die Süddeutsche Zeitung, „wächst die Bevölkerung kaum noch, die Landnutzung wird geregelt, das Einkommen steigt, es wird weltweit gehandelt und Technologien zur Anpassung verbreiten sich schnell. Im pessimistischsten Fall aber wächst die Weltbevölkerung bis 2100 auf 13 Milliarden Menschen, die Armut wächst, Technik bleibt ein Privileg der Reichen und Handelsbarrieren weiten sich aus. Im ersten Fall wären die Risiken durch Wüstenbildung und Nahrungsmittelknappheit bei bis zu zwei Grad Erwärmung noch überschaubar. Im zweiten Fall würden sie schon bei 1,5 Grad Erwärmung sprunghaft ansteigen.“

Wesentlich alarmierter lesen die Stuttgarter Nachrichten den Entwurf des IPCC-Sonderberichts. Obwohl bei optimaler Ausnutzung aller Ressourcen heute schon bis zu zehn Milliarden Menschen ausreichend ernährt werden könnten, hungern in Wirklichkeit weltweit fast eine Milliarde Menschen. „Indien, das zu den größten Getreideexporteuren der Welt gehört, ist auch das Land mit den meisten Armen – mehr als 800 Millionen. Um den wachsenden Bedarf zu decken, müsste die Nahrungsmittelproduktion bis 2050 um 70 Prozent wachsen.“ In den Entwicklungsländern wäre, so zitieren die Stuttgarter Nachrichten eine Studie der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations), wegen des stärkeren Bevölkerungswachstums sogar eine Verdopplung nötig. Tatsächlich aber gehe immer mehr Ackerland durch Verstädterung, Raubbau, Industrialisierung, Versteppung, Versalzung und Bodenerosion verloren. (CR)

Die Pressekonferenz kann am Donnerstag ab 10 Uhr über einen live stream mitverfolgt werden. Informationen zum Zugang werden auf der IPCC-Webseite (https://www.ipcc.ch/news/) veröffentlicht.