Weltweit gingen am Freitag Hunderttausende auf die Strasse, allein in Zürich weit über 12’000. Was das Deutschschweizer Fernsehen davon hielt, machte es schon in der Ankündigung der Arena klar: „Grüne Träume“.

Diesmal passte die Mannschaftsaufstellung in der Arena noch besser als sonst: In der Mitte an den Rednerpültchen die Hauptdarsteller, die sich aufplusterten, aufeinander herumhackten, sich gegenseitig ins Wort fielen und anbrüllten; auf der Ersatzbank die Vertreter und Vertreterinnen der Klimabewegung , die zwar reden durften, das auch gut und engagiert machten, aber dennoch nicht wirklich gehört und vor allem nicht ernst genommen wurden.

Das Hauptargument der Klimajugend zog sich wie ein roter Faden durch die ganze anderthalbstündige Sendung: „Was die Politik unternimmt, reicht bei weitem nicht aus und geht viel zu langsam, um die Welt vor einer Katastrophe zu bewahren.“ Damit sind sich die Jugendlichen völlig einig mit allen ernstzunehmenden Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Welt.

Die Arena aber lud – eine einmalige Konstellation -, als Hauptdiskutanten gleich vier Abwehrspieler ein, die sich untereinander weitgehend einig waren und in Bern am meisten dafür sorgen, dass es mit der Klimapolitik nicht richtig vorwärts geht. Dass der Lobbyist von Swisssmem, Jean-Philippe Kohl, auf Innovationen setzt , die vielleicht irgendwann irgendwie dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu reduzieren, ist verständlich, hilft aber bei der knappen Zeitspanne, die bleibt, nicht weiter. Dass der Lobbyist der Autoimporteure, Andreas Burgener, in der Öffentlichkeit die Reduktionsziele der Energiestrategie 2050 wohlwollend unterstützt, aber hinter den Kulissen für alle möglichen Ausnahmeregelungen, Übergangsfristen und andere Umgehungstricks kämpft, gehört zu seinem Jobprofil, nützt aber dem Klima auch nichts, solange seine Autoverkäufer jede Woche in Tausenden von Inseraten und Werbespots fast ausnahmslos grosse, übermotorisierte Spritfresser anpreisen, die verunmöglichen, dass die Reduktionsziele erreicht werden können.

FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, der mit dem flotten FDP-Standardargument „Mehr Eigenverantwortung – keine Verbote“ alle Bestrebungen für einen wirksamen, schnellen Klimaschutz abwimmelt, konnte die Klimaaktivisten auch nicht so richtig begeistern. Denn dass der Begriff Eigenverantwortung allenfalls für Sonntagsreden taugt, haben sie schon längst begriffen. Und rätselhaft bleibt schliesslich, was Jonas Projer dazu bewogen hat, mit SVP-Nationalrat Claudio Zanetti jemanden in die Arena einzuladen, mit dem man über Klimafragen genau so wenig reden kann wie mit jemandem über Geografie, der die Welt für einen Würfel hält.

Im zweiten Teil der Sendung inszenierte Projer dann mit der Grünen-Chefin Regula Rytz und dem CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt wenigstens ein wenig Schein-Kontroverse. Eine halbherzige Sache, denn ausser einem netten Lächeln und einigen Freundlichkeiten hatte Rytz weder die Argumente noch das Durchsetzungsvermögen, um sich gegen den zunehmend herumpöbelnden Zanetti zur Wehr zu setzen. Und Müller-Altermatt war so bemüht, es allen, Freunden und Feinden, recht zu machen, dass oft gar nicht klar wurde, ob er jetzt für oder gegen eine Sache war oder vielleicht sogar beides.

Gern hätte man zuweilen in die Köpfe der Jugendlichen gesehen, die ob dem sattsam bekannten Polit-Hickhack, den Gockel- und Hennenkämpfen, der Besserwisserei und hohlen Rhetorik manchmal nur resigniert den Kopf schütteln konnten. Und man versteht nur allzu gut, dass viele von ihnen alles Mögliche werden wollen, nur auf keinen Fall so wie die da vorne an ihren Rednerpültchen.

Deshalb organisieren die Klimastreikenden am nächsten Freitag (22. März) eine eigene Klima-Arena, an der, wie der Klimaaktivist Andri Gigerl, zu Recht etwas enerviert sagte, „über die wirklich wichtigen Fragen debattiert“ wird. (CR)